Forschung | Ethnische und Religiöse Konflikte

Ethnische und religiöse Differenzen prägen das politische Geschehen in vielen Regionen der Welt. Ethnische und/oder religiöse Akteure mobilisieren Unterstützung durch Bezugnahme auf die jeweiligen Identitäten. Derartige Konflikte können nicht nur gewaltsam verlaufen, sie haben das Potenzial, ganze Regionen zu destabilisieren. Eskalation wie Deeskalation fallen häufig zusammen mit dem Wandel der eigenen Wertvorstellungen und auch der Perzeptionen der jeweils eigenen und anderer gesellschaftlicher Gruppen. Eskalationen entstehen häufig horizontal. Oft gehen sie von den vernachlässigten Peripherien großer Staaten aus; gleichzeitig verursachen sie meist folgenreiche Migrationsbewegungen.
Das Ziel dieses Clusters ist es, die Mechanismen horizontaler und vertikaler Eskalation zu identifizieren. In ausgewählten Ländern werden repräsentative Meinungsumfragen erhoben, um Konfliktmuster zu erkennen und das Potenzial für friedliches Zusammenleben zu analysieren. Die ersten weithin beachteten Forschungsarbeiten zu diesem Forschungszweig wurden 1978 von Theodor Hanf u.a. unter dem Titel „Südafrika: Friedlicher Wandel? Möglichkeiten demokratischer Konfliktregelung. Eine empirische Untersuchung“ und 1990 von Theodor Hanf als „Koexistenz im Krieg. Staatszerfall und Entstehen einer Nation im Libanon“ veröffentlicht.
Mehr oder minder komplexe Formen der Machtteilung können ethnische und religiöse Konflikte kurzfristig entschärfen und das Konfliktpotenzial reduzieren. Andererseits schafft die damit meist verbundene Verfestigung ethnisch-religiöser Unterscheidungen auch eine Grundlage für erneute Konflikteskalation. Das ABI untersucht Bedingungen, unter denen Regelungen der Machtteilung erfolgreich sein können und erforscht darüber hinaus auch andere institutionelle Mechanismen, die auf soziale Antagonismen in Post-Konfliktländern wirken.

Wichtige Publikationen

Mehler, A. (2016): Adapted Instead of Imported . Peacebuilding by Power-sharing, in:Tobias Debiel, Thomas Held, Ulrich Schneckener (eds.), Peacebuilding in Crisis. RethinkingParadigms and Practices og Trandnational Cooperation, Abingdon: Routledge, 91-109

Mehler, A.(u.a.) (2015): Power, Peace, and Space in Africa.Revisiting Territorial Power Sharing, in: African Affairs, 114/ 454, 72–91

Mehler, A. (2014): Why Federalism Did Not Lead to Secession in Cameroon, in: Ethnopolitics, 13/1, 48-66

Mehler, A. (2014): Pathways to Elite Insecurity, in: Fieldsights - Hot Spots (Central AfricanRepublic), Cultural Anthropology Online, June 11, 2014

Dickow, H. (2014): Autoritäre Strukturen im Tschad: Macht aus der Sicht derer, die sie nicht haben, in: Sociologus 64/1, S. 53-78

Dickow, H. (2014): Chadian Identity Cleavages and their Markers. The Competing,Overlapping or Cross-Cutting Pattern of Ethnic and Religious Affiliation, in: Leiner, Martin u.a. (Hg.): Societies in Transition. Sub-Saharan Africa
between Conflict and Reconciliation",Vandenhoeck & Ruprecht: Göttingen, S. 33-46

Mehler, A. (2013): Consociationalism for Weaklings, Autocracy for Muscle Men? Determinants of Constitutional Reform in Divided Societies, in: Civil Wars, Special Issue 1, 15, 21-4

Mehler, A. (u.a.) (2013)): Power-sharing in Africa’s war zones: how important is the local level?, in: Journal of Modern African Studies, 51/4, 681-706

Mehler, A.; S. Kurtenbach (2013): Special Issue of ‘Civil Wars’: Institutions for Sustainable Peace? Determinants and Effects of Institutional Choices in Divided Societies, Civil Wars.15 SI 1

Dickow, H. (2013): Neue Konflikte im Schatten der Vergangenheit. Burundi und der Kampf um die Macht, in: Forum Weltkirche 6, S. 10-15

Dickow, H. (2013): Krisenregion Mali. Hintergründe des regionalen Konflikts in der Sahelzone, in: Forum Weltkirche 4, S. 10-15

Dickow, H. (2013): Machtkampf im Sahel: Mali und  die Folgen, in: Blätter für deutsche und internationale Politik 6, S. 29-32

Dickow, H. (2013), Im Windschatten des Krieges. Der Tschad und seine katholische Kirche, in: Herder Korrespondenz 67/5, S. 265-269

Mehler, A. (2012): From "Protecting civilians" to "for the sake of democracy" (and back again). Justifying intervention in Côte d'Ivoire, in: African Security, 3-4, 199-216

Mehler, A. (2012): Why Security Forces Do Not Deliver Security: Evidence from Liberia and the Central African Republic, in: Armed Forces and Society, 1/ 38, 46-69

Dickow, H. (2012): Religion and Attitudes toward s Life in South Africa. Pentecostals, Charismatics and Reborns, Nomos: Baden-Baden

Dickow, H. (2012): Der Tschad und seine unruhigen Nachbarn, in: Blätter für deutsche und internationale Politik 2, S. 30-34