Forschung | Konflikte und Fragilität

Konfliktdynamiken folgen keinen einheitlichen Mustern. Verschiebungen von Normen und Überzeugungen, die Wahrnehmung von verschiedenen Gruppen, spezialisierte Institutionen sowie Mechanismen von Eskalation und Deeskalation beeinflussen die Konfliktintensität. Fragilität erstreckt sich auf Räume, die über die Nationen hinausreichen, und beeinflusst alle Gesellschaftsschichten. Daher ist es sinnvoll, die politische Konfliktökonomie einschließlich der Zusammensetzung der gesellschaftlichen Kräfte, Interessen und Benachteiligungen in geteilten Gesellschaften genau und in ihrem jeweiligen Kontext zu untersuchen.

Eine zu große Vereinfachung birgt das Risiko falscher Schlussfolgerungen und schädlicher Handlungsempfehlungen. Konflikte können sich von lokalen Brennpunkten in der Peripherie zu benachbarten oder urbanen Räumen oder umgekehrt von der Hauptstadt ins Hinterland ausbreiten und das Zusammenleben von Gruppen negativ beeinflussen. Konflikte um knappe oder wertvolle Ressourcen entstehen nicht von selbst. Politische, religiöse und ethnische Akteure fördern oft gewaltsame Konflikte, indem sie in ihrem Streben nach Macht und materiellem Gewinn Identitäten vereinfachen und mobilisieren. Sie stützen ihre Strategien häufig auf schon existierende Klüfte innerhalb der Gesellschaften. Das bedeutet aber nicht, dass alle Konflikte zu einer gewaltsamen Eskalation führen müssen. Im Gegenteil, verschiedene Konfliktregulierungsmechanismen können kurzfristig oder nachhaltig Frieden herbeiführen.

Wissenschaftler*innen am Institut untersuchen in kurz- wie auch langfristiger Perspektive die vielfältigen Bestimmungsfaktoren des Zusammenlebens in geteilten Gesellschaften und die Auswirkungen von Konfliktverschärfung sowie die Bemühungen um Konfliktminderung. Der Schwerpunkt liegt hierbei nicht auf staatlicher Fragilität sondern auf der Fragilität gesellschaftlichen Zusammenlebens in Räumen begrenzter Staatlichkeit. Besonders interessiert die Frage, inwieweit das Ausmaß an Fragilität von ethnisch-religiösen Konstellationen, informellen Machtteilungsinstitutionen oder speziellen Sicherheitsmaßnahmen beeinflusst wird. Forscher*innen am ABI pflegen die Tradition gründlicher empirischer Feldforschung und damit einhergehender Umfrageforschung. Es ist unser Ziel, mit Langzeitvergleichen einen Beitrag zu Diskussionen in ausgewählten Ländern des Globalen Südens zu leisten.

 

 

Wichtige Publikationen

Mehler, A. (2016): Adapted Instead of Imported . Peacebuilding by Power-sharing, in: Tobias Debiel, Thomas Held, Ulrich Schneckener (eds.), Peacebuilding in Crisis. Rethinking Paradigms and Practices og Trandnational Cooperation, Abingdon: Routledge, 91-109

Mehler, A.(u.a.) (2015): Power, Peace, and Space in Africa.Revisiting Territorial Power Sharing, in: African Affairs, 114/ 454, 72–91

Mehler, A. (2014): Why Federalism Did Not Lead to Secession in Cameroon, in: Ethnopolitics, 13/1, 48-66

Mehler, A. (2014): Pathways to Elite Insecurity, in: Fieldsights - Hot Spots (Central AfricanRepublic), Cultural Anthropology Online, June 11, 2014

Dickow, H. (2014): Autoritäre Strukturen im Tschad: Macht aus der Sicht derer, die sie nicht haben, in: Sociologus 64/1, S. 53-78

Dickow, H. (2014): Chadian Identity Cleavages and their Markers. The Competing,Overlapping or Cross-Cutting Pattern of Ethnic and Religious Affiliation, in: Leiner, Martin u.a. (Hg.): Societies in Transition. Sub-Saharan Africa
between Conflict and Reconciliation",Vandenhoeck & Ruprecht: Göttingen, S. 33-46

Mehler, A. (2013): Consociationalism for Weaklings, Autocracy for Muscle Men? Determinants of Constitutional Reform in Divided Societies, in: Civil Wars, Special Issue 1, 15, 21-4

Mehler, A. (u.a.) (2013)): Power-sharing in Africa’s war zones: how important is the local level?, in: Journal of Modern African Studies, 51/4, 681-706

Mehler, A.; S. Kurtenbach (2013): Special Issue of ‘Civil Wars’: Institutions for Sustainable Peace? Determinants and Effects of Institutional Choices in Divided Societies, Civil Wars.15 SI 1

Dickow, H. (2013): Neue Konflikte im Schatten der Vergangenheit. Burundi und der Kampf um die Macht, in: Forum Weltkirche 6, S. 10-15

Dickow, H. (2013): Krisenregion Mali. Hintergründe des regionalen Konflikts in der Sahelzone, in: Forum Weltkirche 4, S. 10-15

Dickow, H. (2013): Machtkampf im Sahel: Mali und  die Folgen, in: Blätter für deutsche und internationale Politik 6, S. 29-32

Dickow, H. (2013), Im Windschatten des Krieges. Der Tschad und seine katholische Kirche, in: Herder Korrespondenz 67/5, S. 265-269

Mehler, A. (2012): From "Protecting civilians" to "for the sake of democracy" (and back again). Justifying intervention in Côte d'Ivoire, in: African Security, 3-4, 199-216

Mehler, A. (2012): Why Security Forces Do Not Deliver Security: Evidence from Liberia and the Central African Republic, in: Armed Forces and Society, 1/ 38, 46-69

Dickow, H. (2012): Religion and Attitudes toward s Life in South Africa. Pentecostals, Charismatics and Reborns, Nomos: Baden-Baden

Dickow, H. (2012): Der Tschad und seine unruhigen Nachbarn, in: Blätter für deutsche und internationale Politik 2, S. 30-34