Indigene Handlungsmacht im Kontext der Ressourcenförderung in Peru

Indigene Handlungsmacht im Kontext der Ressourcenförderung im peruanischen Amazonien

Vortrag und Diskussion
Referent: Álvaro Dávila Urquia, Präsident der indigenen Gemeinde Miaria
Dienstag, 24. Oktober 2017 | 18 Uhr
Ethnologisches Institut, Seminarraum 1. OG, Werthmannstraße 10, 79098 Freiburg

Reich an Rohstoffen, weckt Amazonien schon seit Langem vielfältige wirtschaftliche Interessen und Begehrlichkeiten. Über den Abbau dieser Ressourcen wird oft über die Köpfe der ansässigen indigenen Bevölkerung hinweg entschieden.
Eine gegenläufige Entwicklung ist derzeit in Peru zu beobachten: Auch dort lagern die größten Gasvorkommen des Landes im Amazonasgebiet.

Seit 2004 wird im Gebiet des Bajo Urubamba dieses Gas im gewinnträchtigen Projekt "Gas de Camisea" gefördert. Dies beeinträchtigt die Umwelt in der Pufferzone des Nationalparks Manu, der für seine
extrem hohe Artenvielfalt bekannt ist.
Doch die Gasförderung verändert auch das Leben der ansässigen indigenen Bevölkerung in allen Lebensbereichen dramatisch. Die neuste Entwicklung ist die Schaffung einer unabhängigen kommunalen Verwaltungseinheit für den Bajo Urubamba, der Disktrikt Megantoni.
Während die indigenen Matsigenka, Asháninka und Yine sich erst im letzten Jahrhundert in dörflichen Strukturen organisierten und die Indigenen in der Reservation Kugapakori - Nahua - Nanti bis heute weitgehend isoliert leben, werden sie nun für eine komplexe Gemeindeverwaltung verantwortlich. Dies bedeutet einen hohen Grad an Selbstbestimmung, auch in finanzieller Hinsicht: Ihnen fällt die Administration großer Summen aus der Gasförderung zu. Durch diese politische Emanzipation hat die Stimme der indigenen Bevölkerung in der Verhandlung ihrer Interessen gegenüber dem peruanischen Staat und den transnationalen Gasfirmen ein neues Gewicht.
Diese Prozesse sind von unzähligen Herausforderungen, aber auch von großen Chancen begleitet.

Unser Referent Álvaro Dávila Urquia ist Anthropologe und Präsident seiner Heimatgemeinde Miaria.
Er stammt selbst aus dem peruanischen Bajo Urubamba und gehört der indigenen Ethnie Yine an. Aus einer Innenperspektive wird er von den aktuellen politischen Herausforderungen in seiner Heimat berichten.

Veranstalter*innen:
Informationsstelle Peru, Arnold-Bergstraesser Institut, Regenwald-Institut, Ethnologisches Institut der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg - AK Lateinamerika, Eine Welt Forum Freiburg

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